Der Stierkampf

 

Der Mensch und das Tier standen sich gegenüber. Der Mensch hatte nur einen schmalen Degen in der Hand, lang und spitz wie eine Nadel. Das Tier dagegen besaß unermessliche Kraft, schreckliche Hörner und schnellere Beine als das beste Rennpferd. Der Mensch erschien erbärmlich schwach gegenüber diesem Ungeheuer. Nur der Funke der Intelligenz leuchtete aus seinen Blick, während das Feuer der Wildheit in den Augen des Tieres loderte.


Ganz offensichtlich lag alle Überlegenheit auf Seiten des Stiers. Und doch sollte in diesem ungleichen Kampf der Starke er-liegen und der Schwache siegen.

Alexandre Dumas

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in den Stierkampf
2. Der Ursprung
3. Wichtige Personen in der Geschichte des Stierkampfes
4. Die Mitwirkenden beim Stierkampf
4.1. Der Präsident und seine Begleiter
4.2. Alguacilillos
4.3. Chulo de Chiqueros
4.4. Monosabios
4.5. Mulilleros
4.6. Areneros
4.7. La Cuadrilla (Mannschaft des Toreros)
4.8. Mozo de Espadas
5. Der Stier (el toro)
5.1. Der Vorfahre des Kampfstieres
5.2. Die Stierzucht
5.3. Der Stier als Spielfigur
6. Der Torero
7. Der Matador
7.1. Die Stierkämpfertracht
7.2. Der Weg zum Matador
7.3. Der Matador und sein Können
8. Die Stierkampfarena
9. Trophäen
10. Tücher
10.1. Weißes Tuch
10.2. Grünes Tuch
10.3. Blaues Tuch
10.4. Orangefarbenes Tuch
11. Der Spanische Stierkampf
11.1. Der Einzug
11.2. Vorbereitungen für den Kampf
11.3. Der Stier wird vorgeführt
11.4. Das Vorspiel
11.5. Das erste Drittel: Lanzen
11.6. Das zweite Drittel: Banderillas
11.7. Das letzte Drittel: Muleta und Degen
12. Der Stierkampf in anderen Ländern
13. Spaniens „Fiestas“
13.1. „El toro de la Vega”
13.2. „El toro de Coria”
13.3. „Toros de Fuego”
13.4. „Toro Enmaromado”
13.5. „Los Sanfermines”
14. Zivile Verbote des Stierkampfes


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1. Einführung in den Stierkampf


Der Stierkult spielte in allen Mittelmeerkulturen eine Rolle. Das Tier symbolisierte Kraft und Fruchtbarkeit. In Spanien entwickelte sich aus dem Kult der Stierkampf. Eine so alte und tief verwurzelte Tradition kann die Wertmaßstäbe des Industriezeitalters nicht einfach wegwischen. (Tossa de Mar war 1989 der erste spanische Ort, in dem der Stierkampf
verboten wurde.)


Im Mittelalter waren die Stierkämpfe Bestandteil der höfischen Feste. Ritter und Adelige nahmen es zu Pferd mit dem Stier auf, bis die Bourbonen durch derartige Spiele keine guten Soldaten mehr verlieren wollten und diese deshalb verboten wurden. Der Stierkampf des niederen Volkes erfolgt seit je zu Fuß. Daraus entwickelte sich die heutige Form der Corrida, in der es ein Torero mit dem zwischen 400 und 700 kg schweren Kampfstier aufnimmt und ihn tötet. Mit Tierquälerei hat dies für die meisten Spanier nichts zu tun. Es handelt sich um ein quasireligiöses Ritual.


Der Verlauf folgt einem festgelegten Schema. Stier, Stierkämpfer und Zuschauer haben innerhalb des Rituals ihre Rolle. Der Stier soll temperamentvoll, mutig und kampfbereit sein. Ist er es nicht, können das Publikum oder der Torero vom Präsidenten der Veranstaltung ein anderes Tier verlangen. Der Torero muss die Situation beherrschen. Angst, Unsicherheit und Schmerzen aufgrund leichter Verletzungen zeigt er nicht. Die Stierkämpferkarriere ist gerade bei Männern der Unterschicht nach wie vor beliebt, ist sie doch eine der wenigen Möglichkeiten, schnell die soziale Leiter hinaufzusteigen. Die Großgrundbesitzer wiederum wetteifern, die besten Stiere zu züchten. Jeder einzelne Schritt innerhalb des Kampfes, jede Bewegung hat ihre Funktion. Das Publikum kennt den Ablauf des Rituals genau und kommentiert jede gelungene Szene mit einem kollektiven synchronen „Olé!“.


Saison ist von April bis Oktober. Die Kämpfe finden meist am späten Sonntagnachmittag statt, während lokaler Feste hingegen oft täglich. Die Sitze im Schatten (sombra) sind teurer als die in der Sonne (sol).

In Madrid hat man mitunter keine Alternative, als eine Stadtrundfahrt mit anschließendem Stierkampfbesuch zu buchen. Der Stierkampf ist einer der bekanntesten und zugleich umstrittensten spanischen Bräuche.


Am 22. Dezember 1993 hat der Rat der Europäischen Union die Richtlinie 93/119/EG „Über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Schlachtung oder Tötung“ erlassen. In Artikel 3 heißt es: „Beim Töten müssen die Tiere von vermeidbaren Aufregungen, Schmerzen und Leiden verschont bleiben.“ Nun gibt es von der besagten Richtlinie eine Ausnahme, die man als Ausrede benutzt: „Wenn Tiere im Rahmen von kulturellen oder sportlichen Veranstaltungen getötet werden, gilt die Bestimmung nicht.“


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2. Der Ursprung

 

 

 

Der Mythos des Stieres ist sehr alt. Die ersten Zeugnisse von Stieren in Spanien, in Form von Felsmalereien, ent-standen vor 15.000 Jahren in den Höhlen von Altamira (Kantabrien). Ausgrabungsfunde beweisen, dass es den Kampf mit dem Stier bereits in der Antike gab. In Knossos auf Kreta entdeckte man Wandmalereien und Vasen, auf denen der Kampf mit dem Stier dargestellt war. Die kretischen Funde sind Zeugnis von der Bedeutung des Stiers in der Mythologie, den Riten und Gebräuchen dieser Insel.


Auch im alten Ägypten und in Vorderasien waren Stierspiele als Volksbelustigung beliebt, allerdings unblutige. Die Ursprünge des Stierkampfes sind nicht genau bekannt, jedoch glaubt man, dass er im Zusammenhang mit alten Fruchtbarkeitsrituale entstand. Unabhängig von seinem diskutierten Ursprung in Ägypten, Mesopotamien,
Griechenland oder unter den spanischen Mauren ist sein Verwurzeltsein in der Tradition mediterraner Festtagskultur unbestritten.

Der Stier ist auf der iberischen Halbinsel ein Symbol der Fruchtbarkeit. Uralte Hochzeitsriten mögen die Formen des Stierkampfes inspiriert haben. So mussten sich die Männer dem Stier vor der Hochzeit näheren, um durch ihre mutige Berührung Zeugungskraft übertragen zu bekommen und Mannbarkeit zeigen. Die Bräute warfenaus dem Fenster kleine Speere auf den Stier, sodass er zu bluten begann.


Die ältesten Angaben über Stierkämpfe lassen erkennen, dass sie vorwiegend zu feierlichen Anlässen stattfanden: Hochzeiten, Geburten von Prinzen, Feiern zu Ehren von Schutzheiligen und bei Hof boten die idealen Rahmen, um Stierkämpfe abzuhalten. Sie sind Ende des Spätmittelalters und Anfang des 15. Jhdts. allgemein verbreitet. (Einer der ältesten bekannten Stierkämpfe fand bei der Hochzeit von Urraca, der Tochter Alfons VII., mit Prinz García VI. von Navarra 1144 statt.) Ursprünglich hatten diese Stierfeste religiösen Charakter, doch wandelten sie sich unter dem Einfluss anderer Spiele bei den großen Veranstaltungen des Feudaladels bald in Reiterspiele.

Der moderne Stierkampf hat seine Wurzeln im 18. Jahrhundert. Bis zum achtzehnten Jahrhundert blieb der Stierkampf in Spanien den Adeligen vorbehalten, die diesen zu Pferd mit Lanzen, Spießen, Schwertern, Dolchen und Jagd-messern ausübten. Ihnen zur Seite stand ein Reitknecht, der ihnen die Waffen reichte. Für die Adeligen war es so etwas wie eine Vorübung auf den Krieg. Mit dem Niedergang der Aristokratie gewannen die Reitknechte (churros) an Selbstbewusstsein und begannen, zu Fuß mit dem Stier zu kämpfen, woraus sich die moderne Form des tierkampfes entwickelte. Die Tracht der churros wurde zum Lichtgewand der Toreros, die traditionelle Kleidung der herrschaftlichen Herren zu jener der picadores, die als Lanzenstecher im heutigen Stierkampf nur noch eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Den Ruhm, der Geburtsort des modernen Stierkampfes zu sein, nimmt Ronda für sich in Anspruch. Eine von den Römern gegründete Stadt im andalusischen Gebirge.

Die alte Kleinstadt im Landesinneren ist durch eine Schlucht, die der Río Guadalevín bis zu 100 m tief in den Fels gegraben hat, wie durch die berühmte Matadorsfamilie Romero, berühmt geworden. Die dort befindliche Stierkampfarena ist die älteste Spaniens. Diese älteste Plaza de toros wurde 1785 aus Holz gebaut und ist die einzige mit komplett überdachten Sitzreihen, die in zwei Stockwerken ein ungewöhnlich großes Rund umgeben. In Ronda schufen die Matadore Francisco Romero, sein Sohn Juan und sein Enkel Pedro im 18. Jhdt. dieGrundlagen für den modernen Stierkampf zu Fuß.

 

 


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3. Wichtige Personen in der Geschichte des Stierkampfes


Bis zur Zeit von Costillares, gegen Ende des 18. Jhdts. stößt man kaum auf Namen bekannter Stierkämpfer zu Fuß. Dies ist aber nicht nur in den verschiedenen Regionen Spaniens der Fall, sondern auch in Andalusien. Die Stierkämpfermannschaften konnten - außer in Ausnahmefällen - nicht von einander weit entfernte Orte aufsuchen. Der professionelle Stierkampf zu Fuß steckte in Andalusien in den Kinderschuhen. Das Umherziehen der Trupps war wegen der Kosten, die im Vergleich zum geringen Verdienst übermäßig hoch waren, nicht möglich. Aus diesem Grund waren populäre Stierkämpfer in Madrid, aber sogar im Norden Andalusiens unbekannt. Wenn sie bekannt waren, dann nur aufgrund ihres Ruhmes in Sevilla und Ronda. So war beispielsweise der Gründer der berühmten Dynastie Romero außerhalb Rondas gänzlich unbekannt.


Der berühmte Vertreter dieser Familie, Francisco Romero, wird in der Geschichte des Stierkampfes meist als der Erfinder der muleta (Rotes Tuch) genannt. Dieses Instrument sollte eine stufenweise Entwicklung erfahren und zur Vollendung gelangen; ein unerlässliches Instrument, um den Stier im letzten Drittel des Kampfes zu bezwingen.
Francisco Romero benutzte dieses ursprünglich weiße, an einem Stock hängende Tuch, um den Stier von Angesicht zu Angesicht zu töten.

Die rote muleta, die heutzutage verwendet wird, tauchte erstmals 1804, anlässlich der zweiten Auflage der „Tauromaquia“ auf. Diese Überarbeitung eines Stierkampfbegeisterten bietet nicht nur sachliche Informationen über die Ausstattung der Akteure und die Stellungen und Figuren des Kampfes, sondern führt zugleich zum ästhetischen Genuss der Corrida hin.


Die erste Auflage der „Tauromaquia“ stammt vom bekannten Stierkämpfer José Delgado Guerra (1754-1801), genannt Pepe-Hillo. In dieser Schrift von 1796 warb er für eine damals neue Form des Stierlaufs, die sich schließlich durchsetzte und noch heute als „fiesta nacional“ begangen wird. Sie löste drei ältere Formen des Stierfestes ab – den mit der Lanze vom hohen Ross aus geführten Stierkampf der Adeligen, der ihre Macht über die wilde Natur darstellen sollte, den regellosen Stierlauf in den Dörfern, der die Verbundenheit der Bauern mit ihrem Vieh zum Ausdruck brachte, und das Stierschlachtfest, das professionelle Schlächter (Matadore) der städtischen Schlachthöfe
zusammen mit der Plebs der nächstgelegenen Vorstadtquartiere begingen.

Die von Pepe-Hillo und anderen propagierte disziplinierte Kunst des Matadors und seiner Gehilfen sowie die Wandlung der Volksmenge vom Akteur zum Betrachter des dramatischen Geschehens markieren den Abschied von der gefährlichen Unordnung früherer Stierfeste.


Juan Romero, dem Sohn Francisco Romeros, ist eine weitreichende Reform bei der Stierkämpfermannschaft zu verdanken, die bewirkte, dass der Kampf von nun an mit Strategie und Taktik geführt wurde. Die Entwicklung des Stierkampfes war in jene Phase getreten, in der die Gehilfen dem Matador unterstanden und seinen Anordnungen Folge zu leisten hatten. Die Zuschauer wurden sich bewusst, dass der Kampf geordneter und nicht mehr anarchisch verlief. Juan Romero war der erste Hauptfechter, der unter diesen Bedingungen auf der Plaza de Mayor in Madrid kämpfte.

Francisco Romeros Enkel, Pedro Romero wurde ebenfalls berühmt. Man sagt ihm nach 5000 Stiere getötet zu haben und bereits mit 15 Jahren, aber auch noch als 80-jähriger in der Arena gestanden zu haben. Er trug ebenfalls wesentlich dazu bei, dass der klassische Stil der Schule von Ronda berühmt wurde.

 

Im Verlauf des Jahrhunderts sollte die Technik des Stierkampfes von einem anderen genialen Stierkämpfer derart revolutioniert werden, dass sie bis zum heutigen Tag

nichts an ihrer Gültigkeit verloren hat. Dieser Stierkämpfer war Joaquin Rodriguez, besser bekannt als Costillares. Seine Erfindung, die man als volapié bezeichnet, bedeutet, dass die muleta zum Bezwingen des Stiers und zum Angriff dient und von nun an kein Instrument der Verteidigung mehr sein sollte. Diese Erneuerung ließ der Rivale von Costillares, Pepe- Hillo, in sein Werk „Tauromaquia“ einfließen.


Eine weitere wichtige, technische Innovation, die aus dem 18. Jhdt. stammt, ist die cuarteo. Dabei wird eine ausweichende Bewegung vollführt, um beim Platzieren der banderillas nicht in die Hörner zu laufen.


Abschließend kann gesagt werden, dass das 18. Jhdt endlich zu einer Vereinheitlichung des Stierkampfes auf der gesamten iberischen Halbinsel führte.


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4. Die Mitwirkenden beim Stierkampf

4.1. Der Präsident und seine Begleiter:

Der Stierkampf (la corrida) wird von einem Präsidenten geleitet. Dieser wird von zwei Personen unterstützt, nämlich dem Veterinär, der zu seiner Rechten Platz nimmt, sowie einem Experten in der Stierkämpferkunst, der zu seiner Linken sitzt.

4.2. Alguacilillos:

Ihre Funktion besteht darin, den Toreros die Anweisungen des Präsidenten und diesem wiederum die Bitten der Toreros zu übermitteln. Die Alguacilillos sind mit Uniformen aus der Zeit Philipps IV. bekleidet und führen den Einzug in die Arena an.

4.3. Chulo de Chiqueros:

Diese Person öffnet das Tor, damit die Stiere auf den Platz gelangen können.

4.4. Monosabios:

Sie helfen dem Picador während des „Tercio de Varas“ (Drittels der Stangen), indem sie Reittier und Zaumzeug festhalten.

4.5. Mulilleros:

Sie begleiten die Maultiere, die den getöteten Stier vom Platz ziehen.

4.6. Areneros:

Sie sind damit beauftragt, den Sand der Kampfbahn im guten Zustand zu erhalten.

4.7. La Cuadrilla (Mannschaft des Toreros):

Jeder Torero verfügt über drei Banderilleros oder Untergebene, sowie zwei Picadores. Diese sind damit beschäftigt, den Stier an einen vorgegebenen Ort zu stellen und dem Matador während des Kampfes bei möglichen Gefahren den Rücken zu decken. Außerdem stoßen sie im zweiten Drittel des Stierkampfes die Banderillas, das sind mit Bändern und Fähnchen geschmückte Spieße, in den Nacken des Stieres. Die Picadores sind die Hauptdarsteller im ersten Drittel der Corrida. Sie stechen den Stier mit einer Lanze, um so seine Kräfte zu mindern und seine Tapferkeit zu erproben.

4.8. Mozo de Espadas:

Der Degenbursche hat die Aufgabe, dem Matador all die Gegenstände zuzureichen, welche dieser während des Kampfes benötigt. Normalerweise ist er auch derjenige, der dem Matador beim An- und Entkleiden behilflich ist.


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5. Der Stier (el toro)

5.1. Der Vorfahre des Kampfstieres

Der Stierkampf könnte nicht bestehen ohne den Kampfstier, der einer uralten Rinderrasse, die nur in Spanien überlebt hat, angehört. Seinen Vorfahren, den Urus, das Ur oder den Auerochsen, gab es in weiten Teilen der Welt. Die Auerochsen hielten sich in Europa bis ins 17. Jhdt. An ihrem Aussterben trug der Mensch die Hauptschuld, vor allem durch die fortschreitende Einengung der Waldgebiete durch die landwirtschaftliche Nutzung.

 

Wenn man einen Vergleich zwischen einem gezüchteten Kampfstier und einem in der Wildbahn frei lebenden Stier zieht, so ist das, als ob man Hunde mit Wölfen vergleicht. Der Kampfstier ist ein wildes Tier, das auf Tausende von Morgen großen Ranches gezüchtet wird. Begegnungen zwischen den Menschen und Stieren werden dort auf ein Minimum beschränkt. Kampfstiere wiegen zwischen 400 und 700 Kilogramm.

 

5.2. Die Stierzucht

Stiere werden in Spanien hauptsächlich in Andalusien gezüchtet, wo sich ideale Lebensbedingungen vorfinden. Dort lebt der Stier die ersten vier Jahre seines Lebens auf riesigen Weiden in Herden und bekommt nur das beste Futter. Wenn die Jungstiere ein Jahr alt sind, wird ihnen das Zeichen der Züchterei und meist eine Nummer in die Flanke eingebrannt.

Nach etwa zwei Jahren werden die Stiere erstmals einem Probekampf unterzogen. Dieser Probekampf findet in der gewohnten Umgebung der Stiere, auf den Weiden, statt. Dabei werden einzelne Tiere durch vaqueros, die andalusischen Cowboys, von der Herde abgesondert und mit Lanzenstößen zu Fall gebracht. Wenn er sich überschlagen und wieder aufgerappelt hat, sieht sich der Jungstier dem berittenen tenador, dem Prüfer, gegenüber, der ihn mit Zurufen zu sich lockt, um dem Tier – wie später die picadore in der Arena – die Metallspitze einer Lanze, der pica, in den Nackenmuskel zu stoßen. Von der nun gezeigten Angriffsfreude und Tapferkeit hängt es ab, ob der Jungstier für die Kastration und ein späteres Ende im Schlachthaus vorgemerkt oder für den rituellen Tod bei der corrida aufgezogen wird.


Nach vier Jahren gelten sie als Kampfstiere und werden nun in den letzten Monaten mit Kraftfutter gefüttert, damit sie etwas mehr Masse zulegen, um noch gefährlicher auszusehen. Danach werden sie an die Veranstalter von corridas verkauft. Die Stierzucht ist ein großes Geschäft in Spanien. Die Stierzüchter sind darauf bedacht ihren Namen mit ihren Tieren gut zu vermarkten. Das ist der Grund, warum man auf jedem Plakat neben dem Namen des Matadors auch den Namen des Züchters, dessen Tiere in der Arena antreten, findet.

5.3. Der Stier als Spielfigur

Der Stier ist die Zentralfigur im Spiel, um ihn dreht sich alles.



Bei einem Spiel geht man in der Regel davon aus, dass die Spieler sich freiwillig daran beteiligen. Der Stier kann also nicht als gleichwertiger Mitspieler betrachtet werden, sondern nur als Spielfigur, da er nicht freiwillig mitspielt. Der Mensch nimmt sich das Recht, den Stier als Gegenspieler und Mitspieler für den Stierkampf heranzuziehen. In Spanien finden pro Jahr an die sechshundert Stierkämpfe statt, bei denen jeweils sechs Stiere getötet werden.


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6. Der Torero


Unter Torero versteht man alle, die am Kampfplatz mit den Stieren kämpfen. Das sind: der Matador, als Chef seiner Stierkampfmannschaft oder seiner cuadrilla, die picadores und die banderilleros.


Bei den Stierkämpfern unterscheidet man weiters zwischen torero a pie und torero a caballo, also zwischen den Stierkämpfern zu Fuß und jenen zu Pferd.


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7. Der Matador

Der Matador, zu deutsch Töter, ist der Meister seiner Mannschaft. Alle anderen Toreros, das heißt picadores und banderilleros, sind in gewisser Weise Gehilfen, weil sie die bedeutende Arbeit des Matadors nur vorbereiten und unterstützen. Sie sind aber auch Lehrlinge, weil manche von ihnen die Karriere eines Matadors anstreben.

 

Die spektakulärste, ästhetischste, aber auch schwierigste und gefährlichste Arbeit im Spiel darf und hat der Matador zu leisten. Man nennt den Matador nach seiner Waffe auch espada, dem Namen für den Degen, mit dem er im Schlussakt den Stier tötet. Auch mit diesem Namen wird wieder auf die Hauptaufgabe des Matadors verwiesen, den Stier, nach kunstvoller Interaktion, zu töten.

 

7.1. Die Stierkämpfertracht(Traje de luzes)


Die eigenartige Tracht des Stierkämpfers, die in keiner Beziehung zu irgendeiner anderen Kleidung unseres Zeitalters steht, ist das Ereignis einer bizarren Entwicklung. Die praktischen Notwendigkeiten, die bei jeder anderen Sportart maßgeblich sind, wurden hier anscheinend außer acht gelassen. Das Kostüm des Stierkämpfers bietet keinerlei Schutz, ist schwerfällig, viel zu heiß angesichts der Jahreszeit, zu der die Stierkämpfe stattfinden, und außerdem beeinträchtigt es seine Bewegungen.


Das einzige Merkmal, das den Matador von den übrigen Anwesenden in den Anfängen der Stierfechterkunst unterschied, war seine Schärpe aus grellfarbigem Taft. Das Kostüm änderte sich in den folgenden Jahren und Jahrzehnten laufend.

 

Ende des 18. Jhdts. trugen die Stierfechter die Volkstracht Madrids, bestehend aus einem Jäckchen, Kniehosen, Seidenstrümpfe und Pantoffeln, die mit Brustschnüren aus Metall und goldenen und silbernen Tressen verziert war. Den Kopf bedeckte ein schwarzes Netz, ein Tuch und eine seidene Schleife. Heute besteht das Kostüm aus folgenden Kleidungsstücken:

  • ein an den Achselhöhlen geöffnetes Jäckchen aus Atlas, dessen Achselstücke, Rücken und Ärmel reich bestickt und mit Borten aus Gold, Silber und schwarzer oder weißer Seide versehen sind, die Vorderseite ist mit Brustschnüren verziert.

  • eine ebenfalls bestickte Atlasweste und

  • eine seidene enganliegende Hose, die unterhalb des Knies mit einer Quaste oder einem Haken endet.

  • weiters trägt der Stierkämpfer eine schwarze Kappe, ein weißes Hemd mit glatter oder gekräuselter Brust, doppelten Knopflöchern im Kragen, die mit Filigranringen geschlossen werden, Schlips und Leibbinde, von denen zumindest eines die Farbe des Kostüms haben muss, rosaseidene Strümpfe und schwarze Pantoffeln aus sehr biegsamen Leder und mit einfacher Sohle

 

Der Zopf ist heute nicht mehr echt, er wird angeheftet und ist nur noch ein Überbleibsel jener Frisur aus langem Haar mit Netz, Kopftuch und später Zopfschleife, die die Zeitgenossen von „Costillares“ und „Pepe-Hillo“ trugen, deren Geschmack und Lebensweise die Entwicklung der uns so bizarr anmutenden Tracht entscheidend beeinflusst hat.


Die Tracht des picador unterscheidet sich in ihrer oberen Beschaffenheit nur in geringem Maße von der eben beschriebenen. Die Kleidung der banderilleros ist etwas weniger prunkvoll als jene des Matadors. Ihre Kostüme haben nur Stickereien und Tressen aus Seide, während bei denen ihrer Kollegen Gold und Silber verwendet wird.

7.2. Der Weg zum Matador

Junge Stierkämpfer beginnen ihre Laufbahn üblicherweise in der Provinz. Manche kommen aus einer Stierkämpfer-familie, andere verschaffen sich ein Weiterkommen durch Erfolge in den Dörfern und bei kleinen Stierkämpfen. Hat der Stierkämpfer einen gewissen Grad erreicht, so nennt man ihn Matador de novillos, das heißt er kämpfte bis dahin mit Jungstieren, die nicht die Gefahr von richtigen Kampfstieren mit sich bringen und dem Stierkämpfer auch nicht so viel Können und Kampferfahrung abverlangen.

 

In der alternativa, was soviel wie die formelle Investitur ist, wird der Matadorlehrling oder Matador de novillos zum Matador ernannt. Die Zeremonie besteht darin, dass der älteste Matador bei diesem Kampf sein Recht, den ersten Stier zu töten, aufgibt. Dies wird durch die Übergabe von Degen und muleta symbolisiert. Im Anschluss daran tötet der neue Matador den ersten Stier, danach gibt er Degen und muleta seinem „Paten“ zurück. Auch der letzte Stier muss vom neuen Matador getötet werden, damit er die alternativa erhält. Wer einmal die alternativa als Matador in Spanien bekommen hat, gilt in allen Arenen der Halbinsel, bis auf Madrid, als Matador. Nach einer alternativa in der Provinz muss beim ersten Auftreten in Madrid die Zeremonie wiederholt werden.

 

Wenn die Stierkämpfer zu jung und unerfahren zu Matadoren „gemacht“ werden, ist nicht nur das Publikum enttäuscht, sondern gibt es auch viele Verletzungen und einige Matadore finden sogar den Tod in der Arena.

7.3. Der Matador und sein Können

Unter normalen Umständen hätte der Mensch im direkten Kampf mit dem Stier keine Chance. Deswegen kann man die corrida weder als Sport noch als reinen Kampf betrachten. Der spanische Ausdruck „torear“ lässt sich eher mit den Worten „ausweichen“ oder „verwirren“ übersetzen. Es handelt sich daher mehr um eine Auseinandersetzung der Willenskraft von Tier und Mann. (Es gibt nur ganz wenige Frauen in diesem sehr konservativen und traditionellen männlichen Beruf.)


Der Torero steht einem 600 Kilogramm schweren, wütenden Tier gegenüber, lediglich mit einem roten Stück Stoff zur Verteidigung ausgestattet. Er stellt sich dem Stier und schreit ihn an, um ihn an seine Seite zu locken, so nahe wie möglich an den Körper. Um das Tier zu bändigen, verwendet der Mann eine besondere Eigenschaft, nämlich seine Intelligenz. Instinkt, Nervosität und oft auch Eleganz machen die große Leistung des toreros aus, aber ohne die nötige Intelligenz würde ein Matador nie ganz nach oben gelangen können. Er muss sich in das Tier hineinversetzen können, mit ihm kommunizieren und seine Schwächen und Stärken kennen, um ihm den bestmöglichen Tod zu bescheren. Nicht jeder ist für diesen Beruf geboren. Normalerweise gibt es nur ein halbes Dutzend Toreros, die auf dem höchsten Niveau kämpfen, denn es ist sehr leicht, die Nerven zu verlieren. Der Lohn sind viel Geld und Ruhm. Dafür muss ein Torero beinahe täglich sein Leben aufs Spiel setzen.

Das Publikum ist treu, aber auch sehr streng; die Zuschauer merken schnell, wenn ein Matador einmal nicht alles gibt, was in ihm steckt, und bestrafen dies sofort. Vermag aber der Matador seine Genialität zum Ausdruck zu bringen, so ist er der Held der Arena, vom Publikum bejubelt und verehrt, gefragt bei den Organisatoren, die ihn bei den bedeutenden Stierkämpfen unbedingt engagieren wollen. Ein Matador in der beschriebenen Situation weiß sich unter den Millionäre.


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8. Die Stierkampfarena


Der Schauplatz des Stierkampfes ist die Arena. Die Arena misst rund 50 Meter Durchmesser und ist von einer Bretterwand umgeben, die nicht allzu hoch und überdies rundum mit einer 45 Zentimeter hohen Fußleiste ausgestattet ist. Ein sich auf der Flucht befindender Matador sollte diese Barriere mit einer eleganten Flanke überwinden, der ihm folgende Stier sie jedoch nicht überspringen können.

An vier Stellen kann man die Arena betreten. An diesen auf den Kreisumfang verteilten Stellen hat die Bordwand einen Durchgang. Diese Durchschlupfe sind ihrerseits durch eine vorgebaute Bretterwand geschützt, hinter die sich der Matador bei Gefahr begeben kann. Um den Kampfplatz herum sind nach oben hin im Kreis geführte Zuschauerreihen angelegt. Neben den besseren unteren und weniger guten oberen Plätze ist nach den Kriterien sol y sombra (Sonne und Schatten) zu unterscheiden. Da die Stierkämpfe pünktlich um fünf Uhr nachmittags beginnen, ist die eine Hälfte der Arena noch mit Sonnenlicht erfüllt. Da die Sonne im Sommer sehr heiß ist und man im Gegenlicht nicht so gut sehen kann, sind die Sonnenplätze die billigsten Plätze, auf denen die ärmeren und leidenschaftlicheren Zuschauer sitzen.

 

Die Präsidentenloge, die Kapelle, die Ehrenplätze und natürlich die teuren Plätze liegen im Schatten. In der Präsidentenloge versammelt sich die Leitung des Stierkampfes. Von dort werden Weisungen, Warnungen und Trophäen vergeben. Ferner sind in der Arena ein Pferdehof, ein Stiergehege und die Boxen, eine Schlachterei und eine Krankenstation untergebracht.


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9. Trophäen


Nach Beendigung des Kampfes fällt das Publikum sein Urteil durch Schwenken von Tüchern. Wenn es mit dem Torero zufrieden ist und meint, dieser verdiene eine Trophäe, dann schwenkt es weiße Tücher und bittet damit den Präsidenten um das Zugestehen eines Ohres. Wenn diese Forderung mehrheitlich vertreten wird und die Ränge sich mit weißen Tüchern füllen, ist der Präsident verpflichtet, das Ohr zuzugestehen.


Sehr viel schwieriger ist es, beide Ohren und den Schwanz zu bekommen. Das Publikum muss, nachdem der Präsident das erste Ohr zugestanden hat, seine Tücher weiterhin schwenken, aber in diesem Falle hat der Präsident das letzte Wort und muss dem Wunsch der Zuschauer nicht unbedingt nachkommen. Er wird die Frage mit den Stierkampfexperten an seiner Seite besprechen, und wenn beide einverstanden sind, erhält der Torero auch das zweite Ohr. Wenn er einen beinahe perfekten Kampf geliefert hat, stehen ihm beide Ohren und der Schwanz zu, die allerhöchste Auszeichnung!


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10. Tücher

10.1. Weißes Tuch:

Dieses zeigt der Präsident zum Beginn des Kampfes, zum Wechsel der Drittel, beim Eintritt des Stieres und für das Zugestehen der Ohren. Sie werden auch vom Publikum gezeigt, um den Präsidenten um ein Ohr des Stieres für den Torero zu bitten.

10.2. Grünes Tuch:

Der Präsident zeigt es vor, um einen kampfuntauglichen Stier in das Gehege zurückzuschicken. Normalerweise geschieht das wegen körperlicher Mängel. Auch das Publikum zeigt es, wenn es der Meinung ist, der Stier sei kampfuntauglich. Dadurch bittet es den Präsidenten um die Rücknahme des Stiers. Wenn der Präsident entscheidet, den untauglichen Stier auszuwechseln, so tritt an dessen Stelle ein anderer Stier, den man „sobrero“ nennt.

10.3. Blaues Tuch:

Wenn der Stier es aufgrund seiner Qualität verdient, eine Runde durch die Arena gezogen zu werden, zeigt der Präsident ein blaues Tuch.

10.4. Orangefarbenes Tuch:

Der Präsident zieht ein orangefarbenes Tuch, wenn der Stier wegen außergewöhnlicher Tapferkeit begnadigt wird. Wenn ein begnadeter Stier seine Kampfverletzungen überlebt, kommt er in der Zucht zum Einsatz.


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11. Der Spanische Stierkampf


Der Stierkampf läuft nach festen Regeln ab. Der Beginn ist meist 5 Uhr nachmittags, im Hochsommer 6 Uhr. In einer corrida finden sechs Stierkämpfe statt, an der in der Regel 3 Matadore teilnehmen.

11.1. Der Einzug

Bevor die Toreros einmarschieren, reiten zwei Herren im historischen Kostüm zur Präsidentenloge, ziehen ihre Hüte, verneigen sich und reiten zurück, um nun den paseo, den Einzug der Toreros anzuführen. Diese Reiter erbitten damit die Erlaubnis den Stierkampf beginnen zu dürfen.

 

Mit den Reitern an der Spitze marschieren nun die Toreros in die Arena ein. Die drei Matadore, von denen jeder zwei Stiere töten wird, nebeneinander. Jedem Matador folgt jeweils im Gänsemarsch, seine cuadrilla, seine Mannschaft.

Diese besteht aus zwei bis drei banderilleros und zwei picadores, Lanzenreitern auf gepanzerten Pferden. Sie alle, die Matadore, banderilleros und picadore, nennt man Toreros. Chef von ihnen ist der Matador (Töter), der der gefeierte Held eines Stierkampfes ist und die anderen entlohnt.

Der Matador trägt einen besondern Anzug, der traje de luces (Tracht der Lichter) heißt. Jeder dieser Anzüge ist mit Gold und Silber durchwirkt, das in der Sonne aufblitzt. Jeder Torero trägt um die Schulter eine capa, einen Mantel, dessen Ende er um den linken Arm gewickelt hat. Beim Einzug in die Arena handelt es sich dabei um Prunk-capas, die nicht zum Kampf verwendet werden und später durch Kampf-capas ersetzt werden.

Den Toreros folgen Maultiergespanne, die später den toten Stier hinausschleifen. Der Zug marschiert aus dem Licht in die Schattenseite vor die Präsidentenloge. Dort löst sich die Prozession auf. Die picadores reiten aus der Arena, die Matadore, die nicht an der Reihe sind, gehen hinter die Barrieren und nur der Matador, der an der Reihe ist, bleibt mit seinen banderilleros in der Arena.


Der erste Stier steht dem rangältesten Matador zu. Dieses Alter wird nach der Zeit berechnet, die seit seiner alternativa in Madrid verflossen ist.


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11.2. Vorbereitungen für den Kampf

Der rangälteste Matador, der den ersten Stierkampf bestreitet, zieht sich zunächst mit seiner Kampf-capa, einem auf der einen Seite kaminroten, auf der anderen Seite gelben Mantel, hinter eine Barriere zurück. Seine beiden banderilleros, die ebenfalls ihre rotgelben Kampf-capas entfalten, stellen sich in einiger Entfernung links und rechts an der Barriere beim Matador auf.

 

Die Reiter, die zuvor den Zug angeführt haben, reiten indessen zur Loge des Präsidenten. Der Präsident wirft ihnen den Schlüssel zu dem Tor mit dem Stier zu.

 

 

Einer der Reiter fängt diesen mit seinem Hut auf und gibt ihm dem Arenadiener weiter, der, sobald die Reiter den Umgang hinter der Bordwand erreicht haben, dieses Tor öffnet, das auch Tor der Angst genannt wird. Nun stürmt der Stier, dem ein Fähnchen mit den Farben der Züchterei im Nacken steckt, aus seiner dunklen Box heraus.


Falls der Stier besonders gefährlich aussieht, schreien die Zuschauer ein erstes „Olé!“.


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11.3. Der Stier wird vorgeführt

 

 

Nun beginnt einer der banderilleros den Stier für die capa zu interessieren, indem er sie hinter sich herschleift. Der
Stier folgt den Bögen und Zickzacksprüngen der capa und ab und zu entreißt er sie dem banderillero, der dann sofort über die Barriere springt

Die einzige Aufgabe, die der banderillero dabei hat, ist, dem Matador, der von hinter der Barriere zusieht, die Eigenheiten des Stieres vorzuführen. Der Matador beobachtet dabei, wie der Stier zustößt, ob er nur mit einem Horn
zustößt, ob er auf einem Auge blind ist, wie hartnäckig er angreift, ob er nachstößt oder ob der Stier mit dem Huf scharrt, was seine Feigheit anzeigt. Von diesen Beobachtungen hängt im weiteren Verlauf des Kampfes das Leben des Matadors ab.

Manche Matadore verzichten auf dieses Vorspiel und knien sich mit dem Rücken zu dem Tor, aus dem der Stier stürmt, auf den Boden, in der Hoffnung, dass sich der Stier gleich für die capa interessiert. Der Matador reagiert erst, wenn das Publikum aufschreit, und reißt die capa zu einem farol hoch. Gelingt dies nicht, gleicht dieser Anfang einem Selbstmordkommando.


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11.4. Das Vorspiel

Der Matador ist der erste Mensch, er sollte es jedenfalls sein, der dem Stier mit einer ausgebreiteten capa in beiden Händen entgegentritt. Der Stier stürmt los, der Matador bewegt mit einer haarsträubenden Langsamkeit, die capa nach rechts, indem er die rechte Hand hochzieht und die linke Hand nach unten bewegt, sodass die capa rechts von seinem Körper voll ausschwingt, möglichst tief. Der Stier stößt seinen Kopf in das Tuch, der Matador dreht sich um seine eigene Achse und zieht durch die capa den Stier so mit sich, dass dieser sich geradezu um seinen Körper wickelt.


Das nennt man veronica und sobald sie beendet ist stößt das Publikum ein „Olé!“ aus. Der Matador versucht nun eine ganze Serie von veronicas zu machen, wobei sich die Drehrichtung von Mal zu Mal verändert. Die Serie der veronicas beendet der Matador, indem er den Lauf des Stieres plötzlich anhält, zum Beispiel durch eine halbe veronica, die den Stier in seinen Rücken führt, ihn dort fixiert, mit der capa vor seinem Maul wedelt und sie dort zusammenfallen lässt. Berühmter Abschluss einer veronica ist auch die rebolera, bei der der Matador die capa wie ein Ballettröckchen um sich schwingt. Ohne auf den hinter seinem Rücken stehenden Stier zu achten schreitet er auf das Olé-rufende Publikum zu, ganz sicher, dass der Stier verblüfft stehen bleibt.


Einer der schönsten Abschlüsse ist der farol, bei dem der Matador, beginnend mit einer veronica, die capa, sobald sich der Stier an seinem Körper befindet, hinter seinem Rücken hoch über den Kopf schwingt und sich dabei wie eine flackernde Flamme dreht. Dies ist besonders spektakulär, wenn es kniend ausgeführt wird. Bei der chicuelina dreht sich der Matador, sobald der Stier vorbei ist und sich zu einem neuen Angriff formiert, um die eigene Achse, sich dabei in die capa einwickelnd, sodass er wie eine rasch rotierende Säule aussieht. Sobald der Stier zu einem neuen Angriff anstürmt, ist der Matador wieder zu einer veronica bereit.


Ein weiterer Abschluss ist die mariposa. Dabei hält der Matador die capa so hinter seinem Körper, dass er wie ein Schmetterling aussieht. Rückwärts gehend zieht er den Stier - einmal den linken, einmal den rechten Flügel hebend - hinter sich im Zickzackkurs her.


An dieser veronica ist schon das Prinzip des Stierkampfes zu erkennen, das darin besteht, den Stier für die capa zu interessieren und ihm die capa als Feind darzustellen. Der Stier hält den Matador anfangs für harmlos. Diese Täuschung wird jedoch nach 15- 20 Minuten vom Stier durchschaut. Dies ist der Grund, weshalb der Stier bis spätestens dahin tot sein muss. Wie lange das Täuschungsspiel aufrecht bleibt, hängt von der Kunst des Matadors ab.


Der neuerliche Kontakt eines einmal bekämpften Stieres mit dem Menschen würde für diesen tödlich enden, da es heißt, dass der Stier in den 15 Minuten, die der Stierkampf dauere, alles lerne, um sich nie wieder so manipulieren zu lassen.


Am Ende solcher Figuren lässt der Stierkämpfer den Stier hinter sich stehen und das Vorspiel ist beendet, indem der Präsident mit einem weißen Taschentuch signalisiert, dass das erste Drittel des eigentlichen Kampfes beginnen kann, der tercio de varas.


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11.5. Das erste Drittel: Lanzen

 

Der tercio de varas, ist das Drittel der Lanzen. Dieser Teil ist normalerweise der hässlichste des Stierkampfes. Die beiden Pferde, deren rechtes Auge verbunden ist, werden der Barriere entlang, ein Pferd links das andere rechts, hereingeführt und mit ihrer gepanzerten Seite zum Stier aufgestellt. Früher wurden bei den Stierkämpfen sehr viele Pferde getötet und deshalb tragen sie seit 1928 eine gesteppte Matratze, die fast bis zu den Hufen reicht. Die Pferde sind meist sehr alt.


Die Reiter sind auch geschützt und haben unter dem rechten Arm die pica eingeklemmt. Das ist eine fast drei Meter lange Lanze, mit einer drei Zentimeter langen Spitze.

Hinter dieser Spitze ist sie mit einer Schnur umwickelt und wird von einem Stichblatt begrenzt, sodass die Lanze höchstens zehn Zentimeter in den Stier eindringen kann. Die picadore sind normalerweise sehr kraftvolle, hundert Kilo schwere Männer, die sich mit ihrer ganzen Kraft gegen den anstürmenden Stier lehnen. Das Ziel der Lanze des Reiters ist der Nacken des Stieres. Diese Lanzenstöße dienen dem Zweck, dass der Stier seinen Kopf senkt, damit es dem Matador später möglich wird den Stier zu töten. Ohne diese Maßnahmen würde der Matador niemals mit seinem Degen über den Kopf des Stieres kommen. Erledigen die picadore ihre Arbeit gut, so senkt der Stier seinen Kopf, hat jedoch nichts von seiner Angriffslust verloren.

Wie oft die Reiter zustoßen dürfen, entscheidet der Präsident in der Loge. Sehr oft wird ein picador aus seinem Sattel gehoben. In diesem Falle muss sofort ein Matador mit einer quite, einer Ablenkung, eingreifen. Er muss den Stier vom Pferd und vom Reiter weglocken und ihm klarmachen, dass die capa sein Feind ist.

 

Das erste Drittel ist beendet, wenn der Präsident ein weißes Taschentuch über die Brüstung seiner Loge hängt. Die picadore reiten aus der Arena und das Trompetensignal für den tercio de banderillas ertönt.


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11.6. Das zweite Drittel: Banderillas

In dieser Phase des Stierkampfes werden banderillas verwendet um sie dem Stier in die Nackenschwulst zu stechen.

Eine banderilla ist ein zirka 65 Zentimeter langer Stock, der mit bunten Papierbändern umwickelt ist und an dessen Spitze sich ein stählerner Wiederhaken befindet.


Diese Phase wird nicht von einem Matador bestritten, sondern von einem banderillero. Wenn der Stier durch die pica allzu mitgenommen ist, kann der Präsident auch ein Beenden oder eine Verkürzung dieser Phase anordnen. Bei einem sehr unlustigen und müden Stier hatte der Präsident früher die Möglichkeit das Setzen einer Feuerwerksbanderilla anzuordnen. Heute werden statt dessen längere und schwarze banderillas verwendet. Ist der Stier immer noch nicht angriffslustig, fordert das Publikum einen anderen Stier. Das ist eine schwere Demütigung für die Züchterei. Deshalb wird alles Menschenmögliche getan, um sich diese Demütigung zu ersparen. Aber darauf komme ich später, zu sprechen.


Es gibt ein Dutzend meist nur durch einige Einzelheiten unterschiedliche Verfahren, die banderillas zu setzen. Meist geschieht es al cuarteo. Dabei bringt der banderillero den Stier aus weiter Entfernung zum Angriff und läuft in einer Kreisbewegung dem Stier entgegen, der dadurch ebenfalls zu einer langsameren Kreisbewegung gezwungen wird. Sobald sie sich begegnen, reckt sich der banderillero blitzschnell auf die Zehen hoch, sticht die banderillas mit nebeneinanderliegenden Händen und hochgewinkelten

Ellenbogen ein und gleitet, noch in der Kreisbewegung, vor den Hörnern vorbei. Die richtige Stelle im Nacken, so hoch wie möglich, kann er nur treffen, wenn er dicht vor den Hörnern von hoch oben zusticht. Verfehlt er diese Stelle zeigt das seine Angst an. Das Setzen der banderillas geschieht meistens so, dass der banderillero in der Mitte stehend dem Stier entgegenläuft, der von der Barriere aus startet. Das kann auch andersherum passieren, dabei ist es aber ungemein gefährlicher, da dort die rettende Barriere weiter entfernt ist.


Falls der banderillero stürzt oder vom Stier erfasst wird eilen ihm sofort einige Matadore zu Hilfe und lenken den Stier mit einer quite ab. Es gibt auch noch gefährlichere Varianten eine banderilla zu setzen, diese werden dann aber nicht vom banderillero ausgeführt, sondern vom Matador selbst. Sie sind dann meistens besonders spektakulär und besonders aufregend. Der Matador wird dies aber nur übernehmen, wenn er einen besonders geeigneten und reaktionsschnellen Stier vor sich hat.


Eine dieser Varianten ist al quiebro, bei der der Matador den Stier zum Angriff reizt und selbst stehen bleibt, bis der Stier dicht heran ist. Erst dann lenkt er den Stier durch einen winzigen Seitenschritt oder nur durch rasches Ausbiegen der Hüfte in seiner Angriffsrichtung ein wenig ab, und während der Stier mit den Hörnern in die Luft stößt, gegen die Stelle, an der eben noch der Körper des Toreros gewesen ist, platziert dieser geschickt die banderillas. Dieser Effekt eines besonderen Schauspiels wird noch verstärkt, wenn er ein Taschentuch auf den Boden legt und verspricht diesen Fleck nicht zu verlassen, bis er die banderillas platziert hat. Eine weitere Steigerung erreicht er, indem er die banderillas verkürzt. Dabei gilt: Je kürzer desto gefährlicher.

Durch die banderillas wird die Nackenmuskulatur des Stieres weiter ermüdet und durch das Baumeln der banderillas an seinem Hals sollte seine Angriffslust noch mehr gesteigert werden. Der Akt der banderillas sollte jedoch nicht länger als fünf Minuten dauern, da der Stier sich sonst an den Menschen als Angriffsobjekt gewöhnt. Wäre dies der Fall, so könnte die Phase mit muleta und Degen nicht durchgeführt werden.


Die letzte Phase wird nun wieder durch das Taschentuch und ein Trompetensignal eingeleitet.


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11.7. Das letzte Drittel: Muleta und Degen

Der dritte Akt ist die Schlussphase des Kampfes und endet mit dem Tod des Stieres. Als erstes widmet der Matador den Stier entweder dem Präsidenten oder dem Volk. Im letzteren Falle wirft er seine Kappe auf den Boden. Dies tun die Matadore besonders dann, wenn sie in ihrem Heimatort kämpfen. Ein volkstümlicher Matador kann seine Kappe auch in die Sonnenseite werfen, das heißt, er wird den Stier dort unter besonders schwierigen Lichtverhältnissen töten und den Stier zugleich dem armen Volk widmen. Der Widmung folgt nun die Arbeit mit der muleta und dann das Töten mit dem Degen, der vielzitierte „Augenblick der Wahrheit“.

 

Die capa wird nun getauscht gegen die muleta, ein rotes Tuch, das in Falten am Stock entlang hängt. Dieser Stock wird später durch einen richtigen Degen ersetzt. Wenn der Matador die muleta in der rechten Hand oder auch in beiden Händen hält, so spreizt er den roten Flanell mit einem Degen in der rechten Hand ganz auf.

 

Nimmt er den Degen jedoch in die linke Hand, so spreizt er das Tuch nur zur Hälfte - auf zirka 60 Zentimeter - auf. Alle pases, Schritte, die mit der linken Hand ausgeführt werden, sind deshalb viel gefährlicher, da dabei der Stier dichter am Körper vorbeigeführt wird.

 

Bis zur faena, dem sogenannten letzten Teil, haben die Toreros auf Angriffe des Stiers reagiert und sich, wenn sie in Gefahr gerieten, rasch in Sicherheit gebracht. Bei der faena jedoch hat der Stier auf die muleta-Angriffe des Matadors zu reagieren und dem Matador sind keine raschen Bewegungen mehr gestattet.

 

 

Der Mensch ist jetzt Herr über das Tier geworden. Wohin der Stier jetzt stößt, sollte durch den Matador bestimmt werden. Was die veronica für die Arbeit mit der capa, das ist für die Arbeit mit der muleta der pase natural. Dabei hält der Matador die muleta in der linken Hand, tief und mit ausgestrecktem Arm.


Er steht frontal vor dem Stier und bringt ihn durch ein leichtes Rütteln des roten Tuches zum Angriff. Mit ausgestrecktem Arm und unbewegt stehenden Füßen zwingt er den, die tiefgehaltene Muleta angreifenden Stier, einen Viertelkreis zu beschreiben, so eng um seinen Körper, dass der Stier sein Blut an ihm abwischt. Er wird versuchen, den pase natural noch ein paar Mal zu wiederholen und diese Serie mit einem passenden pase abzuschließen.


Ein beliebter Beginn der faena ist auch der pase de muerte, die Todeswendung. Dabei stellt sich der Matador so vor dem Stier auf, dass er ihm seine Hüfte zuwendet, hebt mit beiden Händen die durch den Holzdegen aufgefaltete muleta in Hüfthöhe und erwartet regungslos den Angriff. Zögert der Stier, so geht der Matador wenige Seitenschrittchen auf den Stier zu und stellt sich abermals regungslos auf. Greift der Stier an, so bleibt der Matador regungslos und zieht erst kurz vor den Hörnern die muleta hoch. Der Stier reißt nun den Kopf zur muleta hin und jagt mit einem Aufbäumen dicht am Matador vorbei. Mit dem pase de pecho, der Brustwendung, wird oft eine Serie von pases abgeschlossen. Der Stier, der am Matador vorbeigestürmt ist und sich rasch zu einem neuen Angriff umdreht, kommt von hinten und der Matador hebt die Muleta mit der linken Hand in die Höhe seiner Brust, wobei das Horn unter seinem linken Arm so dicht vorüberfegen muss, dass die Jacke gestreift wird.


Bei der manoletina hält der Matador die muleta in beiden Händen hinter seinem Rücken und vergrößert ihre Angriffsfläche, indem er sie seitwärts hinter seinem Körper nach außen reckt. Oftmals reicht schon ein kleiner Zipfel, der hinter dem Rücken des Matadors hervorragt, um einen Angriff des Stieres zu provozieren. Greift der Stier an, so lenkt der Stierkämpfer das Horn an seinem Körper vorbei, indem er die muleta, soweit sein Arm reicht, nach außen bringt.


Bei der molinette, mit der sich eine Serie von pases effektvoll abschließen lässt, dreht sich der Matador unmittelbar vor oder zwischen den Hörnern einmal um seine Achse, wobei sich die muleta um ihn wickelt.

 

Der afarolado entspricht dem farol mit der capa.

Diese Figuren gehören zu den Schmuckfiguren. Sie dienen weniger dem Ermüden des Stieres, sondern dem Matador, um sich als todesmutiger und eleganter Artist zu präsentieren. Eine solche Schmuckfigur macht der Matador auch dann, wenn er vor dem Stier kniet oder ihn zwischen die Hörner küsst.


Wie der pase natural gehören auch die ayudados zu den Figuren, die den Stier auf den schwierigen Akt des Tötens vorbereiten. Bei den ayudados hält der Matador die muleta in beiden Händen, wobei er mit dem Degen in der rechten Hand ins Tuch sticht und es zu seinem Umfang ausbreitet. Mit dieser relativ großen muleta sind die Figuren weniger gefährlich und deshalb sehr gut geeignet, um die Eigenschaften des Stieres zu erproben. So testet der Matador durch den ayudado por bajo, wie viel Angriffslust und Kraft dem Stier noch geblieben sind. Hierbei reizt er den Stier zum Angriff und führt ihn durch die tiefschwingende muleta mit gesenktem Kopf dicht an seinem Körper vorbei.


Bei allen pases spielt die geheimnisvolle querencia, über die es ellenlange Theorien gibt, eine ungewisse Rolle. Es handelt sich hierbei um den Trieb des Stieres in seinen Stall zurückzukehren. Da dies nicht möglich ist, sucht er sich einen Platz in der Arena aus, den er verteidigt wie seinen Stall. Für den Torero ist es sehr gefährlich den Stier in dieser Zone anzugreifen, da er gegen den verteidigenden Stier keine Chance hat. Deshalb ist es für den Matador notwendig, den Stier zum Angriff zu bewegen. Anderseits kann der Torero aber auch die querencia ausnützen, indem er sich so aufstellt, dass der Stier bei einer capa- oder muleta-Figur in seine querencia hineinläuft. Der Stier tut dies gern ohne dabei den Torero anzugreifen. Für Nichtkenner erscheint dies oft wie ein Beherrschen des Stieres durch den Matador.

 

 

Das Töten durch den Matador wird estacada genannt, nach estoque, dem Stierkampfdegen. Der Degen hat eine Schneide von 75 cm Länge, ist an der Spitze leicht gebogen und die vordere Hälfte ist scharf geschliffen. Wenn der Matador korrekt tötet, setzt er sich selbst der Todesgefahr aus. Dabei versucht er durch die muleta, das Risiko eines Hornstoßes zu minimieren.

 


Beim Töten muss der Matador den Stier derart dirigieren, dass die Hufe in einem Rechteck, zumindest aber die Vorderhufe auf einer Linie stehen, möglichst dicht nebeneinander, denn nur bei dieser Stellung versperren die Schulterblätter nicht die Stelle hoch im Nacken, in die allein der Degen neben der Wirbelsäule und zwischen den Rippen zur hinteren Aorta durchdringen und den Stier mit einem Stoß töten kann.


Um diese Stelle treffen zu können muss der Matador zwischen die Hörner gehen und von oben, hoch zwischen den Schulterblättern, in einem Winkel von 45 Grad zustoßen. Stößt er zu früh oder zu spät, misslingt die estocada.


Es gibt insgesamt zwei Dutzend Spezialausdrücke, um die estocada je nach ihrer Ausführung, Art, Platzierung und Tiefe des Stoßes zu klassifizieren. Nach einem gelungenen Todesstoß beschwören viele Matadore den Tod des Tieres. Misslingt der Todesstoß, so muss er wiederholt werden oder das Tier wird durch einen Gnadenstoß in den ersten Halswirbel erlöst, falls es zu schwach für einen weiteren Todesstoß ist.

Nach einer glanzvollen, mutigen und raschen estocada bricht das Publikum in ein großes „Olé!“ aus. Dadurch fordert es eine Belohnung für den Matador, was ein Ohr, beide Ohren und der Schwanz sein kann, oder es fordert eine oder zwei Ehrenrunden des Matadors. Der Stier wird dann ein oder zweimal durch die Arena geschleift und schließlich aus der Arena zum Schlächter. Der erste Stier ist somit getötet worden.

 

Ihm folgen noch weitere 5 Stiere.


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12. Der Stierkampf in anderen Ländern


Den klassischen Stierkampf nach strengen Regeln gibt es nur noch in Spanien. Ein verändertes Bewusstsein dem Tier gegenüber sorgt in den letzten Jahren auch in Spanien für immer schärfere Tierschutzgesetze, die in einigen Regionen sogar schon zum Verbot der dritten, tödlichen Konfrontation zwischen dem Stier und dem Stiertöter führten.

In Südfrankreich, Portugal, Mexiko und Brasilien wird der Stierkampf frei gehandhabt. Beim modernen Stierkampf unterscheidet man zwischen der corrida und der novillada. Während bei der corrida ausgewachsene und ausschließlich für diesen Anlass gezüchtete Nachfahren der Ur erfahrenen Stierkämpfer gegenüberstehen, kämpfen bei der novillada jüngere toreros gegen Jungstiere, die manchmal kaum älter als ein paar Wochen sind.


Der mexikanische Stierkampf kennt noch eine andere Variante der Novillada, den „Baby-Stierkampf“. Baby-Stiere werden in eine kleine Arena gebracht, wo sie von den Zuschauern – unter ihnen auch viele Kinder – zu Tode gestochen werden.

Die sogenannten „unblutigen Stierkämpfe“, die in vielen US-Bundesstaaten legal sind, sind unerheblich weniger barbarisch als ihre blutigen Gegenstücke. Auch wenn die Stiere in diesen „Kämpfen“ nicht in der Arena getötet werden, so werden sie doch oft unmittelbar danach geschlachtet. Während des Kampfes werden sie gequält, gestichelt und verängstigt.


In Portugal war der für den Stier tödliche Teil über Jahrzehnte, ab 1928, verboten. Am 29. 08. 2002 ist dieses Verbot wieder aufgehoben worden.


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13. Spaniens „Fiestas“

en dem klassischen Stierkampf sind Stierkämpfe und Stierläufe ein beinahe unverzichtbarer Bestandteil jeder „Fiesta“ in Spanien. Viele Feste, so auch das Stiertreiben in Pamplona, sind Kirchen- und Patronsfeste. Die katholische Kirche hat die Tieropferung im Rahmen der Feierlichkeiten zu Ehren ihrer Heiligen übernommen und so kommt es, dass derartige Feste fast immer der Anlass für Stierkämpfe und Stierläufe sind.
Neb

13.1. „El toro de la Vega“Tordesillas

Seit 1584 wird bei diesem Fest zu Ehren der "Virgen de la Peña" der Stier, über und über mit in seinen Körper gestochenen Lanzen, durch das ganze Dorf gejagt. Schafft es der verletzte Stier über eine Ziellinie, wird er
begnadigt.

13.2. „El toro de Coria“Coria

Der Stier wird durch die Straßen getrieben, während die Leute ihre spitzen (Dart-) Pfeile auf ihn
einwerfen.

13.3. „Toros de Fuego“Medinacelli (Soria)

Dem Stier wird eine Art Kugel auf beide Hörner gesetzt wird. Diese wird in Brand gesteckt, bevor die Stiere durch die Straßen gejagt werden.

13.4. „Toro Enmaromado“Benavente (Zamora)

Dem Stier werden Seile umgebunden und er wird solange durch das Dorf gezerrt.

13.5. „Los Sanfermines“ Stiertreiben in Pamplona

Das Fest dauert vom 7. bis zum 14. Juli. Die Stierrennen werden vom spanischen Fernsehen live übertragen. Es kommt dabei immer wieder zu schlimmen Verletzungen und es gab sogar einige Todesfälle unter den Läufern.

Die Stiere werden in insgesamt neun Rennen durch die abgesperrten Straßen der Altstadt bis in die Arena getrieben.


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14. Zivile Verbote des Stierkampfes


Im Jahre 1567 hat der heilige Papst Pius V. in der Bulle De Salute Gregis allen Unmenschen mit Exkommunikation gedroht, die etwas mit so einem verbrecherischen Schauspiel zu tun hatten oder ihm beiwohnten. In der Bibel steht geschrieben: „Gott schuf alle Arten von Tieren und Gott sah, dass es gut war.“ Er hat die Tiere bestimmt nicht erschaffen, damit sich die Menschheit an ihnen austoben kann.


Während im 16. Jhdt. die Stierkämpfe seitens der Kirche aus religiösen Gründen verboten wurden, war es im 18. Jhdt. die Zivilmacht, die danach strebte, diese Feste zu untersagen, indem sie entsprechende Gesetze erließ, die allerdings mäßige Wirkung zeigten.


Die Argumente waren wirtschaftlicher Natur oder auf die menschliche Sensibilität zurückzuführen. Die Sorge um die Meinung der Ausländer, die zwei Jahrhunderte später die beste Klientel des Schauspiels sein sollten, lastete schwer auf den Regierenden in Spanien, die für die Ideen und Vorstellungen Europas sehr empfänglich waren. Daher mutet es erstaunlich an, dass sich die Minister unter der Regierung Ferdinands VI. nicht sonderlich um die möglichen Vorurteile, die die Stierkämpfe hervorrufen könnten, kümmerten. Dieser Monarch ordnete den Bau der Arena neben der
Puerta de Alcala in Madrid an. In den letzten Jahren seiner Regierungszeit, etwa um 1754, als sein Verstand bereits beeinträchtigt war, wurde vom König ein Gesetz erlassen, das den Stierkampf verbot. Der Bischof von Cartagena verhinderte jedoch die Verlautbarung.


Es waren vor allem die spanischen Minister der Aufklärung, die sich beharrlich gegen das Abhalten von Stierkämpfen aussprachen. Es kamen sicherlich humanitäre, aus Frankreich stammende Ideen, wohl aber auch wirtschaftliche Gründe zum Tragen.


Mitglieder des kastilischen Kronrats führten Wirtschaftsgründe an, die das, was jene Regierenden, und insbesondere der Graf von Aranda, für offensichtlich hielten, in Abrede stellten. Die Frage, ob ein Verbot erlassen werden sollte, wurde bereits 1768 in besagtem Rat aufgeworfen, aber erst 1785 in die Tat umgesetzt. Es bezog sich nur auf „die Feste mit todgeweihten Stieren in den Dörfern des Königreichs“, dieses Verbot verschmolz jedoch unverständlicherweise mit jenem, das „das Ziehen von Karren, Wagen mit einer Sitzreihe und allen anderen Straßenfuhrwerken von mehr als zwei Mauleseln oder Pferden“ untersagte.


1790 wurde eine königliche Verordnung erlassen, die das „missbräuchliche Treiben von Jungstieren und ausgewachsenen Stieren bei Tag und bei Nacht verbot“.


Die bedeutendste Verordnung datiert aus dem 19. Jhdt. Dieses Verbot wurde 1805 von Karl IV. erlassen und untersagte die Veranstaltungen von Stierkämpfen – sowohl mit Jungtieren als auch mit ausgewachsenen – im gesamten Königreich.


Nichtsdestoweniger hielt die Begeisterung der Spanier für diese Feste an, die nichts unversucht ließen, um zwischen den Zeiten des Gesetzes nach den geringsten Möglichkeiten zu suchen, die das Abhalten von Stierkämpfen erlaubten. Es wurden Aberhunderte von Petitionen an den kastilischen Kronrat geschickt, in denen um Ausnahmen gebeten wurden. Die Bittsteller waren Laienbrüderschaften, Gemeinden und zahlreiche Stierkämpfer, die sich durch diese Maßnahme benachteiligt glaubten. In den meisten Fällen wurde dazu die Erlaubnis erteilt, außer zwischen 1804 und 1808.


Im Jahr 1808 ließ Joseph Bonaparte (der Bruder Napoleons I.) als spanischer König jedoch Stierkämpfe wieder zu, um sich beim Volk beliebt zu machen. Bis heute hat sich der Stierkampf als Tradition in Spanien erhalten.


 

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